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Der Wert einer Arbeit wird durch die Qualität und NICHT

 

durch den Preis bestimmt

 

 

LEICHT VERSCHÄTZT

 

Als ich zum ersten Mal im Wartezimmer meines neuen Zahnarztes saß, sah ich auf einer Urkunde an der Wand seinen vollständigen Namen. Ich erinnerte mich, dass ein schlanker, fleißiger Junge gleichen Namens vor gut 30 Jahren in meiner Klasse war.

Doch als ich den Arzt sah, verwarf ich den Gedanken. Dieser glatzköpfige, weißbärtige Mann mit den tiefen Falten war viel zu alt, um in meiner Klasse gewesen zu sein.

Nachdem er meine Zähne untersucht hatte, fragte ich ihn trotzdem, ob er das örtliche Gymnasium besucht hätte. "ja", antwortete er. "Wann haben Sie Abi gemacht?". "1972, warum?". "Sie waren in meiner Klasse", antwortete ich.

Er betrachtete mich aufmerksam und fragte dann:"Was haben Sie unterrichtet?"

 

 

 


„Die Erinnerung an schlechte Qualität währt länger, als die Freude über einen niedrigen Preis“ 

(J. Ruskin 1819-1900)

 

 

Geschichte der Zahnmedizin und dessen Arbeitsbereiche

Artikel aus dem Buch Gesundheit und Wellness Autor Katrin Heinke 

Neuer Umschau Buchverlag 2010

 

Cheese! Bitte lächeln! Das Hochzeitspaar strahlt um die Wette, zeigt der Kamera je zwei Reihen schönster, weißer Frontzähne. Fast scheinen sie wie auf Hochglanz poliert. Die Fotos sollen schließlich etwas werden, eine Erinnerung an den schönsten Tag im Leben sein. Zähne zu zeigen, ist da eine Selbstverständ­lichkeit. Wirkt das Paar nicht sofort um einiges glücklicher? Und attraktiver?

Undenkbar, dass ein offenes Lächeln oder gar Lachen in der Öffentlichkeit jemals nicht gesellschaftsfähig war. Und doch war das Motto "Zeigt her eure Zähne" noch bis vor etwa 100 Jahren unschick, ja regelrecht verpönt. Wer lacht, der verliert seine Selbst­kontrolle, beschrieb es schon der griechische Philosoph Platon. Weder Statuen noch Gemälde der Vergangenheit zeigen gut aus­sehende Menschen, die mit offenem Mund lächeln. Man denke nur mal an die Venus von Milo oder die Mona Lisa.

Der Grund für die jahrhundertelangen „Lachverbote ist dabei so einfach wie offensichtlich: Denn was hätte sich hinter dem Lächeln der Mona Lisa verborgen? Höchstwahrscheinlich ein schlechtes und krankes Gebiss. Erkrankungen der Zähne gehörten zu den am meisten verbreiteten Leiden der Geschichte.

Dabei gab es schon früh so etwas wie Zahnbehandlungen. Der älteste Hinweise auf Zahnmedizin geht bereits etwa 8000 Jahre zurück: In Pakistan fanden Archäologen Schädel, deren Zähne Spuren von Bohrungen aufwiesen. Im alten Rom brachte man sein Gebiss mit Marmorstaub und Bimsstein zum Glänzen, in Grie­chenland mit einem Leintuch. Die Chinesen entwickelten etwa 1500 n. Chr. die erste Borstenzahnbürste in Pinselform.

Dennoch: Wer Karies bekam, und das war keine Seltenheit, der hatte es nicht leicht. Im Mittelalter kümmerten sich sogenannte Zahnbrecher oder -reißer um die schlechten Kauwerkzeuge. Kaum vorstellbar, aber Zähne wurden mitunter sogar als eine Art Jahr­markspektakel unter großen Schmerzen vor den Augen der Öffentlichkeit gezogen. Betäubungen mit Äther, Lachgas oder Chloroform kamen erst Mitte des 19. Jahrhunderts auf, bis dahin behalf man sich mit Alkohol oder Naturmitteln, wie zum Beispiel Mohnsaft.

Dass sich das offene Lächeln heute durchgesetzt hat, ist vor allem der rasanten Entwicklung in der Zahnheilkunde ab Ende des 19. Jahrhunderts zuzuschreiben. Man betrachtete Gebiss und Kiefer nun zunehmend aus der wissenschaftlichen Perspektive. Das lag nicht zuletzt an neuen Erkenntnissen, wie der Entdeckung der Röntgenstrahlen im Jahre 1895 oder ein Jahr später die Erklä­rung von Karies als chemischen Prozess. Die Einführung der Kran­kenversicherung unter Fürst Otto von Bismarck bewirkte, dass das Volk regelmäßige Zahnbehandlungen erhielt. Ab 1920 benötigte per Gesetz jeder, der Zähne behandelte, eine spezielle Ausbildung, ab 1952 dann sogar den akademischen Abschluss. Den Dentisten gab es seitdem nicht mehr. Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, nach dem Abschluss des Zahnmedizinstudiums mit einer wissenschaftlichen Arbeit zu promovieren und den Grad des Doctor medicinae dentariae oder kurz Dr. med. dent. zu erlangen.

Die Zahnkrankheiten nahmen allmählich dadurch ab, dass Zahnärzte sich immer häufiger in eigener Praxis nie­derließen und damit jederzeit einen direkten Ansprechpartner für die Patienten darstellten. Man legte mehr Wert auf Mundhygiene, benutzte regelmäßig Zahnbürste und -creme. Es erstaunt nicht, dass mit zunehmender Zahngesundheit auch das Lachen in der Öffentlichkeit mehr Spaß machte und durchaus schick wurde.

Auch heute bestimmen gesunde und damit verbunden meist schöne Zähne die tägliche Arbeit vieler Zahnmediziner. Ihr Tätigkeitsfeld beinhaltet im Allgemeinen die Prävention, Diagnostik und Therapie von Erkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich und gliedert sich in mehrere Teilbereiche. Außerdem werden zunehmend angrenzende Funktionssysteme, zum Beispiel an Kopf, Hals und Schulter, berücksichtigt. Man geht davon aus, dass sich physische Erkrankungen auf Kiefer und Gebiss auswirken und umgekehrt Störungen im Kauapparat Ursache für Schmerzen im gesamten Körper sein können.

In der Regel spezialisieren sich die Zahnärzte auf einen oder meh­rere Tätigkeitsschwerpunkte. Sind die Zähne krank, dann wird zunächst versucht, die Schäden mit möglichst geringem Einsatz zu beheben: Die sogenannte konservierende Therapie umfasst dabei die Kariologie sowie die Endodontie. Bei der Kariologie, auch Füllungstherapie genannt, geht es um die Behebung von Krankheiten an der Zahnkrone.

 

Infizierte Stellen werden zunächst entfernt, um dann den Zahn mit Materialien wie Keramik oder Komposit wieder zu füllen. Ist er bereits so stark bakteriell angegriffen, dass der Zahnnerv in Mitlei­denschaft gezogen wurde, möglicherweise bereits abgestorben ist, dann kommt die Endodontie ins Spiel. Ziel dieser Therapie, auch besser bekannt als Wurzelbehandlung, ist es, die Infektion schonend, meist in mehreren Sitzungen zu beseitigen. Alsdann gilt es, den Zahn gründlich zu reinigen und ihn anschließend bakteriendicht von der Wurzelspitze bis zur Mundhöhle zu verschließen.

Während es bei den genannten Verfahren um den Zahn selbst geht, beschäftigt sich die Parodontologie mit dem Zahnhalteapparat. Ist dieser gesund, sorgt er dafür, dass die Zähne fest im Kiefer verankert sind und stabil sitzen. Entzündungen von Zahnfleisch und -bett können durch Bakterien entstehen, die sich vorwiegend in den Zahnzwischenräumen ansammeln. Letztlich tragen sie zum Kiefer­knochenabbau bei, bis die Zähne weniger Halt haben. Gezielte Mundhygiene und Entfernen der Beläge beugt Parodontitis vor und mildert eine bereits bestehende Entzündung.

Nicht immer können Zahn und Zähne gerettet werden, zum Beispiel dann, wenn sie zu stark bakteriell beschädigt sind. Als letzte Lösung bleibt manchmal nur, den Zahn zu ziehen. Dabei haben die zahn­chirurgischen Eingriffe unter lokaler Betäubung heute nichts mehr mit der Arbeit der damaligen Zahnbrecher gemein.

Ist erst einmal eine Lücke im Gebiss, dann kommt der Bereich der Prothetik ins Spiel. Fehlt „nur" ein Zahn, erhält der Patient eine sogenannte Brücke, die an den Nachbarzähnen befestigt wird. Müs­sen gleich mehrere Zähne beziehungsweise ein kompletter Kiefer­bereich ersetzt werden, arbeitet man mit Teil- oder Vollprothesen, die in der Regel herausnehmbar sind.

Ganz anders bei der Implantologie als weitere zahnmedizinische Disziplin. Hierbei werden künstliche, industriell meist aus Titan hergestellte Zahnwurzeln in den Kieferknochen operativ eingebracht. Darauf können nun Kronen, Brücken, sogar ganze Zahnreihen befestigt werden. Vorteil: Dieser Zahnersatz kommt in Aussehen und Funktion relativ nah an das natürliche Gebiss heran.

 

Erfolgreich sind all die Behandlungen jedoch nur, wenn der Patient die Mundhygiene ernst nimmt. Zweimal täglich die Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahncreme zu putzen gehört genauso dazu wie die regelmäßige professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt. Hier wird auch die richtige Putztechnik vermittelt. Wichtig ist es zudem, auf zahnfreundliche Nahrung zu achten. Kohlenhydrate, im Speziellen Zucker, greifen das Gebiss stark an und sind Kariesverursacher Nummer eins. Apropos Nahrung: Biologisch gesehen dienen Zähne der Essenszerkleinerung. Außerdem unterstützen die Kauwerkzeuge bei der richtigen Artikulation von Sprache, zum Beispiel bei den S-Lauten. Um diese Anforderungen zu erfüllen, müssen sie natür­lich gesund sein. Zur Funktion gehört im 21. Jahrhundert für viele Menschen aber auch die Ästhetik: Das Gebiss soll möglichst schön und makellos aussehen. Für eine einheitliche, möglichst weiße Zahnfarbe, lückenlose und gerade Zahnreihen sowie unsichtbare Füllungen kann heute so einiges mit modernen kosmetischen Ver­fahren - meist ohne großen Aufwand - getan werden. Dem schöns­ten Hochzeitsbild  mit dem perfekten Lächeln steht da eigentlich nichts mehr im Wege.